„Bildung statt Burnout“, „Unsere Zukunft, unsere Stimme“, „Schule soll stärken, nicht brechen“ – die Sprüche auf den bunten Plakaten sind eindeutig. In Schwerin haben sich am Montag, den 26.Mai, nach Polizeiangaben 800 Schülerinnen und Schüler an einem landesweiten Bildungsprotest beteiligt. Schülerinnen und Schüler aus ganz Mecklenburg-Vorpommern waren aufgerufen, daran teilzunehmen. Wer dabei sein wollte, konnte sich von seinen Eltern entschuldigen und von der Schule freistellen zu lassen. Organisiert wurde die Demonstration vom Stadtschülerrat Schwerin, dem Landesschülerrat Mecklenburg-Vorpommern und dem Stadtschülerrat Rostock.
Die Forderungen der Schüler
Verlangt wird darin unter anderem gezieltes Training für Stressbewältigung als Teil des Unterrichts. Die Notengebung in Talentfächern wie Sport, Musik und Kunst soll gerechter werden. Schüler sollten wählen können, ob sie das Abitur nach 12- oder 13-jährigem Schulbesuch ablegen und die Größe der Klassen solle sich verringern.
Die Abiturprüfung im Fach Mathematik soll nicht mehr verpflichtend in MV sein, da Mathe „nur“ in MV, Baden-Württemberg, Hessen, Bayern und Sachsen als Pflichtfach im Abitur angeführt wird. In den anderen elf Bundesländern kann Mathematik selbstverständlich als Prüfungsfach gewählt werden, es besteht aber keine Pflicht.
Der Demokratie- und auch der Medienbildung soll mehr Raum gegeben, die Schülermitwirkung gestärkt werden. Schriftliche Hausaufgaben soll es nicht mehr geben.
Die Reaktion des Ministerium
Der Demonstrationszug setzte sich vom Markt in Bewegung, führte über die Werderstraße, vorbei an Staatskanzlei und Schloss, bis zum Bildungsministerium. Dort nahmen Bildungsministerin Simone Oldenburg (Die Linke) und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) den 20-seitigen Forderungskatalog mit über 40 Punkten entgegen. Schwesig und Oldenburg reagierten positiv auf die Proteste. Demnach betonten beide, es sei wichtig, dass die Schüler für ihre Forderungen demokratisch eintreten. Die Forderungen des Landesschülerrats würden sehr ernst genommen werden und Simone Oldenburg lud die Vertreter des Landesschülerrats ein, um weiter das Gespräch zu ihren Erwartungen und Forderungen zu führen. Für September kündigte Oldenburg einen landesweiten Schulkongress unter dem Motto „Schulkultur und Partizipation“ an, obwohl manche der Forderungen schon in Kraft treten würden. „Gerade beim Thema psychische Gesundheit sind wir bereits aktiv. Mit unseren schulpsychologischen Beratungsstellen, dem Zeugnissorgentelefon und mobilen Krisenteams, die an die Schulen fahren, haben wir verlässliche Angebote geschaffen“, betont sie. Demnach äußert sich das Ministerium und sagt, dass Hausaufgaben eine wichtige Ergänzung zum Unterricht wären.
Nach Ansicht der Grünen-Abgeordneten Jutta Wegner ist der Schülerprotest ein Beleg dafür, wie dramatisch die Lage an den Schulen ist. „Schulnote 5 für die Landesregierung“, lautete ihr Fazit. Die Bedürfnisse der Schüler und Schülerinnen seien viel zu lange ignoriert worden. Lehrpläne seien überfrachtet, das Lernen auf kurzfristige Leistung statt auf langfristiges Verstehen ausgelegt. „Das ist kein Bildungssystem, das Kinder stark macht, sondern eines, das sie krank macht“, erläutert sie.
Linksfraktionschefin Jeannine Rösler äußerte Verständnis für die Sorgen und Forderungen der Schüler. „Schule darf nicht krank machen – sie muss stärken. Wer lernen soll, braucht Sicherheit, Vertrauen und Raum für Entwicklung“, sagte sie. Vorschlägen nach einem festen Projekttag zur mentalen Gesundheit und einer Begrenzung von Leistungskontrollen steht sie offen gegenüber.